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»Die Versöhnung von Stadt und Natur«

Prof. Dr. Philipp Bouteiller

Tegel Projekt GmbH

Prof. Dr. Philipp Bouteiller
© Christian Kielmann

Philipp, lass uns über die Beziehung von Stadt und Natur sprechen. Wie ist es um sie bestellt? Haben sich beide irgendwann auseinandergelebt?

Spätestens seit der Industrialisierung ist das der Fall gewesen. Doch wir sehen, dass Herrschaftsformeln à la „Macht euch die Erde untertan“ irgendwann nicht mehr funktionieren. Wir sind längst jenseits der Grenzen dessen, was die Erde bereit ist, zuzulassen. Und auch, was Menschen bereit sind, an Lebensqualität einzubüßen, wenn sich Städte zu weit von der Natur entfernen. Die Idee der funktionalen Stadt ist gescheitert – weil sie unnatürlich ist und nicht dem Wesen des Menschseins entspricht, schlicht: weil sie krank macht. Sicher brauchte es schmerzvolle Erkenntnisse, aber wir Menschen entdecken mehr und mehr unsere biologische Identität wieder. Ein Paradigmenwechsel hat längst stattgefunden, so dass wir weltweit beobachten können, dass Stadt und Natur wieder mehr zueinander zu finden.

Woher kommt die Natursehnsucht vieler Großstädter?

Auch wenn wir heute keine rauchenden Schlote mehr sehen, so atmen wir dennoch keine gesunde Luft in unseren Städten. Wenn wir uns die Stadt mal als ein geschlossenes Zimmer vorstellen, in dem wir mit laut ratternden Motoren Benzin und Öl verbrennen, Reifenabrieb und anderen Feinstaub verteilen, dann würden wir unsere Kinder dort garantiert nicht spielen lassen. Aber so ist es doch in unseren Städten, insbesondere bei Windstille oder Inversionswetterlagen. Viele Menschen wollen das nicht mehr, sondern sehnen sich nach gesunder Luft, mehr Ruhe, mehr Grün, mehr Bewegungsfreiheit – eben nach Natur.

Die Versöhnung von Stadt und Natur ist nicht nur ein städtebauliches Thema, sondern auch eine grundsätzliche Haltung. Warum ist Dir das so wichtig?

Es wurde mir quasi in die Wiege gelegt und begleitet mich mein ganzes Leben. Ich bin in der Natur aufgewachsen, als Kind durch Wälder gestreift. Ich habe Umweltschutz in meiner Familie immer als wichtiges Thema erfahren. Mein Vater und Großvater haben sich für Umweltthemen stark gemacht, als noch kaum jemand davon sprach. Mein Onkel zog als einer der ersten Grünen-Politiker in den Baden-Württembergischen Landtag ein. Und mein anderer Onkel kämpfte als CDU-Mitglied gegen das geplante atomare Endlager in Gorleben. Als Teenager trieb mich das Waldsterben um, und als Zivildienstleistender habe ich ein Eisvogelschutzprojekt geleitet. All das hat mich sehr geprägt. Und auch, dass ich seit 1989 – quasi als Gegenpol – erst in Berlin und dann lange Zeit im Zentrum von London gelebt habe und weiß, was man in Metropolen an guter Luft, sauberem Wasser und schöner Umgebung vermisst. Insofern bin ich glücklich, jetzt nicht nur im immer grüneren Berlin zu leben, sondern mich auch beruflich mit neuen Konzepten für mehr Natur und in unseren Städten beschäftigen zu dürfen. Ich liebe das urbane Leben und möchte dazu beitragen den immanenten Widerspruch zwischen Stadt und Natur zunehmend aufzulösen.

Prof. Dr. Philipp Bouteiller ist Geschäftsführer der Tegel Projekt GmbH und die treibende Kraft hinter dem neuen Stadtquartier „Berlin TXL“. Auf dem 5 km2 großen Areal des einstigen Flughafens Tegel entsteht in den nächsten Jahren Großartiges: ein Experimentierfeld für die lebenswerte Stadt von morgen. Klimaschutz und die Rückbesinnung auf natürliche Ressourcen nehmen dabei einen ganz besonderen Stellenwert ein.

Das Interview gibt es in voller Länge auf berlintxl.de und schumacher-quartier.de.